Nadjas Welt

Nadja von der HochtHallo da draußen. Ich bin die Nadja und dies ist meine kleine Kolumne querbeet durch alle Themen. Was mich im täglichen Leben erheitert, zum Nachdenken bringt oder aufregt, schreibe ich nieder, in der Hoffnung jemanden damit zu amüsieren oder ebenfalls zum Nachdenken anzuregen. Viel Spaß beim Lesen, Eure Nadja

Eines Tages wollte ich mit unserem alten 124-er Mercedes in den nächsten Ort fahren um einzukaufen. In letzter Zeit hatte der Wagen eine lästige Macke entwickelt: er ging manchmal mitten während der Fahrt aus und ließ sich nur schwer wieder starten. Er war deswegen schon ein paar Mal in der Werkstatt, aber immer wenn wir ihn vorführten, lief der Motor vorbildlich und schnurrte wie ein Kätzchen.  Also schickte man uns immer wieder unverrichteter Dinge nach Hause, weil ja nichts gefunden wurde. Groß gesucht wurde allerdings auch nicht.

Was war ich stolz, als ich meinen Führerschein in der Tasche hatte. Sogar mit Null Fehlerpunkten! Dazu bekam ich dann gleich von meinen Eltern das erste Auto spendiert. Einen uralten SEAT. Er war knallrot, hatte fünf Türen, 85 PS und startete nur mit Choke.  Er hatte weder ABS, noch Airbags oder eine Servolenkung. Aber das war egal. Es war mein Auto und ich hätte dieses erwachsene Gefühl, wenn man plötzlich in ein Auto auf der Fahrerseite einsteigt um nichts in der Welt eintauschen wollen.

Wenn man den Zahlen auf den unzähligen Seiten im Internet Glauben schenken kann, dann scheint die Depression die neue schleichende Volkskrankheit zu sein. Niemand spricht darüber, aber jeder zweite scheint leicht bis mittelschwer von ihr befallen zu sein. Es gibt sogar Schnelltests, mit denen man rausfinden kann, ob man selbst betroffen ist.

NeurodermitisAls ich ca. zwei Jahre alt war, traten bei mir diese juckenden  Hautveränderungen das erste Mal auf. Pünktlich zur Geburt meiner kleinen Schwester. Damals konnte sich niemand diese juckenden und nässenden kleinen Pusteln erklären und so riet der Kinderarzt meiner Mutter, sie solle mich mit Penaten Creme einschmieren. Natürlich brachte das keinerlei Besserung und ich trieb meine Eltern mit nächtlichen Brüllattacken zum Wahnsinn, weil es einfach nicht aufhören wollte zu jucken.

Eines Nachts, im tiefsten, dunklen, verschneiten Winter lief mal wieder nichts im Fernsehen und mein Mann nahm dies zum Anlass mich vom Sofa zu ziehen mit den Worten:
„Komm, Schatz! Ich mach´ jetzt mit dir ein Schleudertraining!“
Ich dachte erst, er macht Witze. Aber es war sein voller Ernst. Wir stiegen in unser kleines, tiefer gelegtes Cabrio und machten uns auf den Weg zum Supermarkt.

Zur Zeit teile ich meinen Arbeitsplatz mit einer Kollegin, die eine grundlegend andere Vorstellung von Ordnung,  Sauberkeit, Schnelligkeit und Effizienz hat, als ich. Der Unterschied ist so gravierend, dass ich mir selbst schon die Frage gestellt habe, ob ich nicht vielleicht unter einer Zwangsneurose leiden könnte. Kann ja sein, dass ich mit meinem Sinn für Ordnung und Symmetrie etwas übertreibe, denn meine Verbesserungsvorschläge werden von der Kollegin seit Monaten konsequent überhört.